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Image by Art Lasovsky

Zerbruch

Aktualisiert: 14. Dez. 2023

Manchmal scheint es, als hätten wir keine Kraft mehr. Wir sind ein Schatten unserer selbst. Funktionieren, weil wir müssen. Innerlich zerreißt es uns. Zwischen Bedürfnissen, Wünschen, Anforderungen, unseren eigenen Standards und den von anderen.


Wenn Paulus in 1. Korinther 12,9-10 schreibt: „Aber er hat zu mir gesagt: »Meine Gnade ist alles, was du brauchst! Denn gerade wenn du schwach bist, wirkt meine Kraft ganz besonders an dir.« Darum will ich vor allem auf meine Schwachheit stolz sein. Dann nämlich erweist sich die Kraft von Christus an mir. Und so trage ich für Christus alles mit Freude – die Schwachheiten, Misshandlungen und Entbehrungen, die Verfolgungen und Ängste. Denn ich weiß: Gerade wenn ich schwach bin, bin ich stark.“, ist das kein leeres Versprechen.

Gott zeigt sich mächtig, wenn wir uns ganz tief unten fühlen.

Er ist oft gerade dann erfahrbar, wenn wir nichts mehr können und vor lauter Tränen auch nichts mehr sehen. Er ist der Gott der Trauernden, der Gott der Verletzten, der Gott der Einsamen. Er ist ein Gott der kranken Kinder, dreckigen Badezimmerböden und der durchwachten Nächte. Ja, er ist ein Gott, der Tränen abwischt, der uns aufbaut und uns zu sich zieht.


Ich schreibe das hier während unsere Kinder und ich selbst seit Wochen immer wieder krank sind. Richtig krank und zerbrechlich. Gerade eben hat mein Sohn ins Bett gebrochen, weil er so stark hustet, während die große im Nebenzimmer eine Lungenentzündung bekämpft. Wahrlich kein Grund zur Klage, wenn wir an das Chaos auf der Welt denken und die vielen Kinder, die in Kriegen und Missbrauch aufwachsen. Und doch dürfen wir uns – jeder in seiner Situation – schwach und überfordert fühlen. Jesus starb nicht für die Perfekten, die sich immer zusammenreißen und alles auf die Kette kriegen. (Ganz ehrlich: Wer kriegt das schon?). Er starb für dich und mich. Für unseren Zerbruch und unsere Krankheit, für unsere Schwäche und unsere Sorgen.


So oft sind wir müde des Kämpfens. Als ich also so am Kinderzimmerboden meines Sohnes saß und ihm eine gute Stunde die Hand hielt, liefen die Tränen über mein Gesicht. Immer wieder und immer mehr. Und gerade dann zeigt sich Jesus so gerne. In meinem Geist nahm er mich fest in den Arm und zog mich hoch mit sich über die Wolken. „Wenn du ganz nah bei mir bleibst, schwebst du über den Dingen“. Ich fing an, ihn zu preisen. Denn das ist das, was unser Herz eigentlich begehrt. Es ist das einzige, das Sinn macht, wenn alles andere überhaupt nicht klappt. Wenn wir vor lauter Erschöpfung manchmal nicht wissen, wie wir aufstehen sollen – dann ist ein Lob auf den Lippen für einen unfassbar liebenden, erfahrbaren und spürbaren Gott, der DICH sieht und das GANZE Universum geschaffen hat, das einzige, was hilft. Ich verspreche es dir.


Ich las letztens den unglaublich guten Satz: „His presence is always more important than his presents.” Amen dazu. In seiner Gegenwart zu sein, so nah an des Vaters Herz, in Jesu Armen und verbunden mit dem Heiligen Geist, das ist so viel mehr wert als alle Geschenke, die er uns auf dieser Welt macht. Ja, auch mehr wert als Gesundheit, als dein Mann, deine Kinder und liebe Freunde.

Seine Gegenwart zu genießen ist einfach alles.

Manchmal schenkt Gott mir gerade in diesen Momenten der totalen Abhängigkeit von ihm ein Bild, das mich tröstet. In einem solchen Bild sah ich einen Körper, der komplett in sich zusammengefallen war. Meinen Körper, der wie ein Overall einfach auf dem Boden lag, ohne Leben. Wie zerknitterter Stoff, komplett kraftlos. Und plötzlich stieg Jesus in den Overall. Er zog ihn an und füllte ihn mit seiner Kraft. Mit seiner ganzen Person. Mit der Person des Heiligen Geistes. Ich stand gerade, konnte meine Tränen abwischen und klarsehen. Das ist es, was er uns versprochen hat. Wenn wir bitten, dann kommt er mit DEM Tröster, DEM Ratgeber, DEM Lebensspender. Und plötzlich fängt er an zu wirken und es fließen Ströme lebendigen Wassers aus uns heraus. Wir leben, wir atmen, wir singen, wir spüren seine Nähe (Lies dazu Johannes 14 und Johannes 7,37-38).


Es ist nicht so, dass die Situation sich in dem Moment verändert. Oft genug tut sie das nicht. Während ich diese Zeilen schreibe, war der kleine Mann schon wieder mehrfach wach und ich bin nicht weniger müde. Aber wenn unser Fokus sich auf die Herrlichkeit Gottes richtet, dann können wir in diesen Moment dankbar und wirklich zufrieden sein. Wir spüren seine Kraft, die so viel größer ist, als wir selbst. Gott führt uns immer in die Tiefe, damit wir mehr von ihm bekommen. Unverdiente Geschenke seiner Gegenwart. Wünschen wir uns trotzdem manchmal einfach in Ruhe am Meer zu sitzen? Ja, vielleicht. Aber nichts ist besser, als wenn Gott selbst sich dir in deiner Lebensrealität zeigt und dir ganz persönlich nahe ist.


Der Overall, den Jesus anzog, war übrigens kein Superman-Kostüm. Es war meine Kleidung, mein Körper, mein Gesicht. Jesus bittet uns nicht, jemand anders zu sein. Er hat dich und mich wunderbar geschaffen. Genau so, wie wir sind. Unverwechselbar, äußerlich wie innerlich. Mit Gaben, Talenten und Eigenarten. Aber er liebt uns zu sehr, um uns so zu lassen, wie wir sind. Er will in unserer Schwäche für uns da sein. Uns emporheben und uns zeigen, um was es wirklich geht. Es geht um sein Lob, seine Ehre, seine Nähe.


Das nächste Mal, wenn du Zerbruch sprüst, wende dich an Jesus. Er ist stärker, als der, der diese Welt mit Angst, Scham und Gewalt beherrscht (1. Joh 4,4). Er hat diese Welt überwunden (Joh 16,33).


Danke Jesus!


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