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Image by Art Lasovsky

Bin ich genug?

Was Neid über deine Identität offenbart

Neid ist ein Thema, über das wir nicht oft reden. Wer gibt schon gern zu, dass er neidisch ist? Neid offenbart einen Mangel – einen Mangel in mir, nicht in der Person, auf die ich neidisch bin. Neid hat eine hässliche Seite. Denn sie projiziert mein Problem auf eine andere Person und oftmals entsteht in uns eine Abneigung, die die andere Person leider nicht selten zu spüren bekommt. Neid tut weh.



Ich kannte Neid viele Jahre nur von der anderen Seite. Ich war die, auf die Menschen – meist Frauen – neidisch waren. Entweder wegen meines Aussehens, manchmal wegen meiner Kreativität. Später wegen meines Mannes, der ist auch wirklich der Hammer (!) - teilweise wegen meines Hauses, oder meiner Selbstständigkeit etc. etc. Ich hatte oft das Gefühl, je mehr ich aus mir rauskomme und meine Talente, meine Berufung entdecke, desto höher wird der Neid-Faktor. Je mehr Sichtbarkeit, desto größer die Gefahr, dass jemand Missgunst dem gegenüber empfindet, was du erreichst – oder schlimmer noch: wer du bist; wen Gott aus dir macht.


So konnte ich das Thema Neid oftmals von mir wegschieben. Musste denen vergeben, die mir Neid spiegelten und versuchte, anstatt das Ganze auf mich zu beziehen, zu schauen, wo diese Person Verletzung oder Mangel erlebt hatte. Ich betete oder nahm – wenn angebracht – die Person mit in meine Prozesse hinein: Was habe ich erlebt, in der Vorbereitung auf Berufung etc., wo hat Gott mich durch die tiefsten Tiefen geführt und Gehorsam und Treue von mir gefordert, um mich dahin zu bringen, wo ich sein darf. Wo sind meine wunden Punkte, wo kämpfe ich? Wo hab ich selbst Mangel und lerne von anderen? Sich verletzlich zu zeigen, ist eine starke Waffe! Tipp 1: Wenn du erlebst, dass Menschen neidisch auf dich sind und du merkst, dass es kein blinder Neid ist, sondern dass die Person wirklich an sich arbeiten will: zeig ihr deine Prozesse. Sei gnädig und prüfe dein Herz. Werde nicht verbittert. Zweifle nicht an dir selbst, sondern lass zu, dass Gott Schleifprozesse mit uns allen geht. Auch mit dir.


"Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.“

Søren Kierkegaard


Vergleichen bringt den Tod.

Das meine ich genauso, wie es da steht. In dem Moment, wo ich mich vergleiche, stelle ich in Frage, was Gott an Einzigartigkeit in mich reingelegt hat. Die Bibel sagt uns, dass wir ALLE in Gottes Ebenbild geschaffen wurden. Gott ähnlich. Kreativ, schön, würdevoll, wertvoll. Wir dürfen uns andere Menschen mit Bewunderung ansehen und uns ein Beispiel an ihnen nehmen. Sie dürfen uns positiv herausfordern, disziplinierter, demütiger, sportlicher, barmherziger, gesünder etc. zu leben. Gute Vorbilder sind so wichtig. Wir brauchen sie. Ich sehe oftmals Eigenschaften von Jesus in Menschen, die ich nicht besitze, die ich bewundere, und von denen ich lernen will. Diese Menschen haben oft ein großes hirtliches Herz, sind geduldiger als ich oder haben eine große geistliche Weisheit und Weite. Lernwillig zu sein bedeutet, dass ich weiß, dass ich "noch zu lernen habe". Lernbereitschaft ist im Gegensatz zu Neid: hilfreich, bewundernd und heilsam. Ich reflektiere mich und erkenne: Da will Gott mich schleifen. Das tut weh, aber hält unglaubliches Wachstum bereit. (Side Note: Vorbilder, die das widerspiegeln, was Jesus als Erfolg verbucht, tragen eine große Demut, sind wahrhaftig und dienen treu.)

Hunger nach Veränderung ist ein echter Schlüssel.

Vorbilder sind unerlässlich. Aber keine Vergleichsbilder. Vergleichsbilder sind tödlich. Tipp 2: Prüfe, mit wem du dich vergleichst und warum. Was sagt das über dich aus? Wo hast du vielleicht Wünsche/Sehnsüchte, die nicht erfüllt wurden? Es ist deine Verantwortung 1. mit Gott 2. mit dir selbst und 3. mit anderen Menschen versöhnt zu leben. Oft brauchen wir eine reinigende Sicht auf uns selbst, damit wir aufhören, unseren Mangel auf andere Menschen zu produzieren.


Ich bin nicht frei von Neid

Ich erlebe Neid anders. Ich stehe nicht vorm Spiegel und zweifle an mir. Ich wünsche mir auch nicht, andere Talente zu haben. Aber immer wenn ich meine, dass ich frei von etwas bin, hält mir Gott den Spiegel vor. Gerade in den Momenten, wo ich mich innerlich vielleicht über andere erhebe und Neid als etwas Belastendes für mich empfinde, ohne die Person barmherzig anzusehen – stößt Gott mich auf meine eigenen Probleme: Und auf einmal sehe ich mich weinend und kämpfend damit, dass mein Mann so viel beruflichen Erfolg hat. Dass er ständig "aus dem Haus sein kann", während ich "nur" das Haus sauber halte und die Kinder hüte. Dass er immer sehr viel mehr Geld verdienen wird. Dass ich mir mein Studium ja dann hätte sparen können, etc. etc. Selbstzweifel steigen hoch. Werde ich gesehen? Was ist mein Lohn für all die "unsichtbare" Arbeit? Und ich werde grantig zu dem Menschen, den ich am meisten liebe. Im schlimmsten Fall will ich nicht nur, was der andere hat, sondern MISSGÖNNE anderen sogar, was sie haben. Neid ist hässlich. Neid zerstört Bindungen. Neid offenbart ein undankbares Herz. Und das habe ich bei mir entdeckt.


Die Frage nach: Bin ich genug?

Ich glaube, dass gerade Mütter und Frauen sich ständig fragen, ob sie denn genug sind. Wir können doch immer noch eine "Schippe" drauflegen. Du kannst noch gesünder kochen, du könntest noch mehr selbst backen, du könntest noch mehr ehrenamtlich arbeiten, du könntest noch mehr Unternehmungen mit deinen Kindern machen, du könntest dich noch besser um deine Freunde kümmern, du könntest, könntest, könntest... Oft genug liegt unsere Identität in unserem Tun, nicht in unserem Sein. Bei Gott aber darf ich sein, bevor ich tue. Ich bin angenommen als sein Kind, ohne Leistung. Ich darf ruhen, selbst wenn ich noch gar nichts geschafft habe. Ich muss mir nichts beweisen und ihm schon gar nicht. Er setzt fest, wann etwas dran ist und wann nicht. Und selbst wenn ich auf die schlimmste Art versage, bin ich doch sein Kind. Nichts kann mich aus seiner Hand reißen. "Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermag von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn" (Römer 8,38-39). Lesetipp: Lies Römer 8 komplett und lass dir deine Identität zeigen.


Lohn ist nicht monetär

Ich werde gern belohnt für das, was ich leiste. Und ich leiste gerne und viel. Ich bin mehr Aufgabenorientiert als Menschenorientiert. Ich bin gut in Umsetzung, nicht unbedingt in Teamarbeit. Ich arbeite gerne schnell und auch gern allein. Lohn hat für mich einen Wert. Der darf monetär sein, muss aber nicht. Oftmals sind es Worte des Lobes und der Anerkennung, die mein Herz höher schlagen lassen und die mir helfen, weiterzumachen, dranzubleiben, mein Bestes zu geben. Ich werde wahrscheinlich niemals das verdienen, was mein Mann verdient und das ist auch gar nicht nötig. Wie gut, dass unser Lohn in etwas ganz anderem liegt. Unser Lohn ist mit Geld nicht aufzuwiegen. Unser Lohn ist ER.


Erfolg hat einen Namen

Letztens durfte ich im Lighthouse Haiger über "Jesus – deinen Liebhaber" predigen. Und ich habe unter anderem folgende Worte benutzt: "Unser Ziel ist es nicht, dass wir mehr Einfluss haben; dass wir größere Gemeinde bauen; dass wir uns verwirklichen; dass wir einen schönen Gottesdienst haben; nicht einmal, dass wir glücklich sind. Unser Ziel ist: ER – ER ALLEIN! Liebende brennen erst und denken später. Und dieses Brennen, dieses Feuer ist Jesus selbst. Er ist ein Feuer, das alles verzehrt. Sein Feuer ist einzigartig. Er verzehrt unsere Seele, unsere Gedanken, unser Sein, unsere tiefsten Wünsche, unsere Sehnsüchte, unsere Vorstellungen vom Leben, unsere Pläne. Und wenn er alles verzehrt hat. Wenn sein Feuer alles erreicht hat, alles verbrannt hat, was unsere Beziehung zerstören will. Was bleibt dann noch? ER – ER ALLEIN! Und was macht das aus dir? Aus mir? Es führt dazu, dass wir uns völlig in ihm verlieren. Dass wir nur noch an ihn denken und nicht mehr an uns selbst. Das ist das Ziel unseres Lebens. Das ist echter Erfolg. Ganz und gar für unseren Liebhaber zu leben."


Wenn wir unseren Fokus auf ihn richten und weg von uns, dann werden wir dankbar. Dankbarkeit schützt vor Neid. Ein dankbares Herz schaut nach oben – zum Geber aller Gaben – und nicht auf andere. Ein dankbares Herz schaut nach vorne und fragt: Was ist mein nächster Schritt? Wo willst DU mich haben? – Es schaut nicht zurück und guckt sehnsüchtig auf die Vergangenheit und (angeblich) verpasste Chancen und es schaut auch nicht zur Seite und vergleicht sich. "Danken schützt vor Wanken, loben zieht nach oben", hat meine Mama oft zuhause zu uns gesagt. Und sie ist eine sehr weise Frau.

Jesus ist Lohn genug – für dieses Leben und das danach

Fazit:

Wenn du mit Neid zu kämpfen hast, lass Gott in dein Herz schauen und dir zeigen, wo du deine Identität auf etwas anderes gründest, als auf ihn allein. Neid hat erstmal nichts mit der Person zu tun, auf die du neidisch bist, sondern mit dir selbst. Mein Mann hat rein gar nichts falsch gemacht. Er macht einen richtig guten Job und verdient Lob und Anerkennung, wie er Arbeit, Familie, Ehemann, Vatersein, Berufung handelt. Über mich sagt es aus, dass ich meinen Wert immer noch zu sehr daran hänge, was ich leiste und was ich angeblich dafür verdiene, und ich möchte erkennen und ergreifen, dass JESUS Lohn genug ist. Für dieses Leben und das Leben danach. Seine Person, seine Schönheit und Liebe reichen aus, um mich ganz und gar zu erfüllen. Es ist schön, gelobt und belohnt zu werden. Keine Frage. Gott gönnt uns gerne und so viel. Aber dein Wert liegt allein in deinem Schöpfer begründet. Bete ihn an, nicht das, was du tust oder das, was du bekommst. Dann wirst du wirklich zufrieden und frei von Neid.


Lesetipp: Epheser 1, um neu zu begreifen, worin unser Lohn besteht und welche Berufung und welche Hoffnung wir haben!



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